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... eine Neudefinition der Haltestelle

Fotografie & Konzept 2005 − Haltestellen sind gewöhnlich Orte, die man meist möglichst schnell wieder verlassen möchte. Orte, an denen man sich nicht länger als unbedingt notwendig aufhält, da Wartezeiten allgemein als nutzlos empfunden werden.
Wie lassen sich nun Haltestellen so umgestalten, dass der Zeitraum des Wartens eine neue Qualität erfährt und als angenehmes Erlebnis empfunden wird?

Der Haltestelle wird ein spezifisches Angebot hinzu gefügt: die Freude des Verweilens, das Gefühl von Besonderheit auch im Alltag. Haltestellen werden zu Inseln des bewussten Innehaltens im Verkehrsstrom der Stadt, sie werden zu Ruhepunkten, zu Orten für die Sinne. Haltestellen als Orte, an denen der Mensch Entspannung und Erholung findet. Der Mensch ist einer stetigen Flut optischer und akustischer, zivilisationsbedingter Umweltreize ausgesetzt. Der Anblick von natürlicher Umgebung beeinflusst das Wohlbefinden jedoch positiv. Die Natur gehört zu den grundsätzlichen und selbstverständlichen Alltagserfahrungen des Menschen. In ihr werden alle Sinne angeregt. Natur strahlt Ruhe und Vertrautheit aus. Schon William Morris, Textildesigner im 19. Jh. reagierte auf die industrielle Revolution und die damit verbundene Verstädterung. Er brachte den Menschen die Natur in ihre künstlich geschaffenen Umgebung zurück, indem er durch Hausgärten die Gebäude mit der Landschaft verband. Für das Innere der Häuser entwarf er Tapeten mit floralen Motiven, um so die Natur in den Raum zu bringen. Diese Vorstellung von W. Morris greife ich auf. Die Natur wird unter Verwendung moderner Medien in die vorhandene Stadtarchitektur integriert. Die der Natur entlehnten Muster, ihre Regelmäßigkeit und langsame Bewegung bilden einen zweckfreien Gegenpol zur Flut der Reize. Sie vermitteln den Eindruck von Rhythmus und Bewegung innerhalb einer geordneten Struktur. Sinnliche Farben und üppige Ornamente erinnern an paradiesische Gärten. Der ornamentale musterartige Charakter der Filmsequenzen wirkt beruhigend. Werden diese Bilder projiziert oder ausgestrahlt, entstehen neue Räume, Räume zwischen Ruhe und Bewegung, zwischen Natur und Struktur. Der Betrachter wird eingeladen, neue Formen und Erfahrungen zu erleben. Ihm werden Ruhe und Natur an einem Ort nahegebracht, an dem er sie normalerweise nicht erwartet. Der projizierte Raum verwandelt einen Transitraum in einen Erlebnisraum.

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