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Heterotopien

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Heterotopie − ein ursprünglich aus der Medizin stammendes Wort, wird für die Umschreibung eines Gewebes verwendet, das an einem anderen Ort als normalerweise vorgesehen in Erscheinung tritt. Foucault wandelt die anatomische Bedeutung in eine topografische um und entwirft mit seinem Begriff der Heterotopie eine »Wissenschaft der absolut anderen Räume«. »Andere Räume« sind im Sinne Foucaults jene Orte, die sich am Rande der Gesellschaft etablieren und in denen die dominanten gesellschaftlichen Normen unterlaufen werden. Marc Augé bezeichnet diese Orte als Nicht-Orte. Orte, die keine - zumindest keine eindeutige - soziale, historische oder kulturelle Identität besitzen und daher auch keine Orientierung, keine soziale oder kulturelle »Verortung« mehr bieten können. Zu diesen Nicht-Orten zählt auch der Transitraum. Transiträume wie Haltestellen sind merkwürdige Fixpunkte ohne eine über ihren Nutzen hinausgehende Qualität. Ausgestattet mit ähnlichem Equipment, machen sie auf ein Ereignis aufmerksam, das sich vielfach täglich wiederholt und deshalb nur noch wahrgenommen würde, wenn es nicht stattfände: dass hier ein Bus oder eine Straßen- / U-bahn regelmäßig hält, um Fahrgäste aussteigen zu lassen und neue aufzunehmen. Nicht-Orte sind im besten Sinne des Wortes Utopien, Orte der Vieldeutigkeit, Vielsprachigkeit und der Visionen, Orte jenseits festgelegter Identitäten und festgelegter kultureller Konventionen. In ihrem materiellen Bestand sind sie zwar räumlich verortbar, dennoch sind es Nicht-Orte im Sinne eines Schmelztiegels von Möglichkeiten, in denen kulturelle Bilder und Zeichen aus verschiedenen Kontexten zu neuen Mustern zusammengefügt werden können. Die Erweiterung des puren tektonischen Bauens durch andere Mittel, wie Licht, Temperatur oder Geruch ist möglich. Die Ergänzung alltäglicher Realität mit projizierten Erlebnisräumen führt dazu, dass stabile Raumteile ständig mit neuen Augen und mit verändertem Bewusstsein gesehen werden.

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